Die Europäische Union (EU) verfolgt mit der Unterstützung von Bizum Pay ein ehrgeiziges Ziel: die Schaffung einer unabhängigen Zahlungsinfrastruktur, um die Dominanz amerikanischer Unternehmen wie Visa und Mastercard zu brechen. Diese Initiative, die seit Jahren im Gange ist, soll die finanzielle Souveränität Europas stärken und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Zahlungsanbietern verringern.
Bizum, ein 2016 gegründeter spanischer Zahlungsdienst, hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Akteur im Bereich der digitalen Zahlungen entwickelt. Der Europäische Zentralbank (EZB) zufolge ist Bizum Pay ein entscheidender Bestandteil der Strategie, um das europäische Zahlungssystem zu modernisieren und zu vereinheitlichen. Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Deutschlands, Heiko Maas, war 2018 der erste, der die Notwendigkeit betonte, europäische Zahlungskanäle unabhängig von den USA zu etablieren.
Im Jahr 2020 gründete ein Konsortium von 16 europäischen Banken die „Initiative für europäische Zahlungen“ mit dem Ziel, eine einheitliche Zahlungslösung für Verbraucher und Händler zu schaffen. Diese Initiative wird von der EZB unterstützt und zielt darauf ab, eine europäische Infrastruktur zu entwickeln, die den Zahlungsverkehr innerhalb der EU erleichtert.
Aktuell laufen in Europa etwa zwei Drittel der Kartentransaktionen über nicht-europäische Anbieter. Die Abhängigkeit von Visa und Mastercard stellt ein erhebliches Risiko dar, insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen. Ein Bericht des Europäischen Parlaments hebt hervor, dass die anhaltende Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsnetzwerken eine strukturelle Verwundbarkeit sowohl für europäische Banken als auch für die finanzielle Souveränität der EU darstellt.
Die Einführung von Bizum Pay könnte dazu beitragen, diese Abhängigkeit zu verringern. Laut David Ibáñez, Partner bei EY, könnte dies nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, sondern auch europäische Lösungen wie Bizum und Wero (ein paneuropäisches Zahlungssystem) fördern. Diese Systeme haben das Potenzial, sich weiterzuentwickeln und innovative Lösungen anzubieten, die für europäische Verbraucher und Unternehmen von Vorteil sind.
Darüber hinaus gibt es jedoch Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von amerikanischen Cloud-Anbietern, die die erforderliche Technologie für Zahlungsabwicklungen bereitstellen. Unternehmen wie Amazon Web Services und Microsoft Azure sind entscheidend für die Funktionsweise vieler europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. Diese Abhängigkeit könnte die angestrebte Unabhängigkeit gefährden, da die Kontrolle über wichtige Technologien weiterhin in den Händen amerikanischer Firmen liegt.
Der Banco de España hat in seinem letzten Bericht ebenfalls auf diese Risiken hingewiesen. Er betont die Notwendigkeit, die Verwundbarkeit des Systems zu reduzieren, das stark von externen Technologieanbietern abhängig ist. Die Schaffung von Lösungen wie dem Euro digital bleibt ein zentrales Ziel der EZB, um die finanzielle Souveränität der EU zu garantieren.
Für deutsche, österreichische und Schweizer Leser, die in Spanien leben oder dort Urlaub machen, könnte die Entwicklung von Bizum Pay und ähnlichen Initiativen von großem Interesse sein. Diese neuen Zahlungslösungen könnten nicht nur den Zahlungsverkehr erleichtern, sondern auch dazu beitragen, die wirtschaftliche Stabilität innerhalb Europas zu fördern und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Zahlungsanbietern zu verringern.
Quelle: diariodemallorca.es
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