Eine alarmierende Studie zeigt, dass in Spanien 85,5% der 16- bis 29-Jährigen noch bei ihren Eltern wohnen. Laut dem Emancipation Observatory Report 2025 des spanischen Jugendrats (CJE) leben insgesamt 6,3 Millionen junge Menschen in ihrem Elternhaus, was auf die Schwierigkeiten beim Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zurückzuführen ist. Diese Zahlen markieren den tiefsten Stand der Jugendemanzipation seit Beginn der Aufzeichnungen. Nur 14,5% der jungen Spanier haben 2025 die Unabhängigkeit erreicht, was einem Rückgang von 48.513 Personen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Bericht zeigt zudem, dass das Durchschnittsalter für den Schritt in die Selbstständigkeit mittlerweile bei 30,2 Jahren liegt.
Die Statistiken verdeutlichen die Problematik: Von den 16- bis 24-Jährigen haben nur 4,5% (216.959 Personen) ihre eigenen vier Wände bezogen, während 33,1% (853.159) der 25- bis 29-Jährigen unabhängig leben. Insgesamt gibt es 1.070.119 junge Menschen, die außerhalb des Elternhauses wohnen. Die Studie hebt hervor, dass trotz Verbesserungen auf dem Jugendarbeitsmarkt die steigenden Wohnkosten nicht kompensiert werden können. So stieg der Medianlohn junger Menschen 2025 um 1,7% im Vergleich zum Vorjahr, während die Jugendarbeitslosigkeit auf 17,2% fiel, den niedrigsten Stand seit der großen Rezession.
Der Bericht identifiziert den Zugang zu Wohnraum als das „Haupthindernis“ für junge Menschen in Spanien. Der Durchschnittspreis für Mieten liegt bei 1.176 Euro pro Monat, was 98,7% des durchschnittlichen Einkommens eines jungen Arbeitnehmers entspricht. Der Preis für Eigentum stieg auf durchschnittlich 223.000 Euro, was einen Anstieg von 13,1% im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Um die Anzahlung für eine Wohnung (etwa 66.900 Euro) zu leisten, müsste ein junger Mensch fast fünf Jahre lang sein gesamtes Gehalt sparen.
Die spanische Jugendorganisation warnt, dass sich die Bedingungen für den Zugang zu Wohnraum zunehmend von individueller Anstrengung hin zur wirtschaftlichen Kapazität der Familie verschieben. Dies verstärkt die Ungleichheiten zwischen denjenigen, die unabhängig werden können, und denen, die es nicht können. Über die Hälfte derjenigen, die sich für ein selbstständiges Leben entscheiden (55%), mieten eine Wohnung, während nur 19,7% allein leben und 33% mit anderen zusammen wohnen.
Darüber hinaus zeigt der Bericht die prekäre Beschäftigungs- und soziale Situation unter jungen Menschen auf. 33% der erwerbstätigen Jugendlichen arbeiten Teilzeit, und 29,3% der jungen Bevölkerung sind 2025 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Der Jugendrat betont, dass Bildung und Berufsausbildung nicht mehr automatisch zur Unabhängigkeit oder Stabilität führen. Selbst unter Hochschulabsolventen erreicht die Unabhängigkeitsrate lediglich 20,4%. 39% der berufstätigen jungen Menschen sind überqualifiziert, und 15,1% kombinieren Studium und Arbeit.
Der Jugendrat fordert eine nachhaltige und strukturelle öffentliche Intervention, die den Zugang zu Wohnraum zur politischen Priorität erhebt. Es werden Maßnahmen verlangt, die den Bestand an Sozialwohnungen erhöhen, den Mietmarkt effektiv regulieren und sicherstellen, dass die öffentlichen Wohnungsbauprogramme den tatsächlichen Bedürfnissen junger Menschen gerecht werden. Der Zugang zu Wohnraum ist zur Hauptquelle der Ungleichheit unter jungen Menschen geworden, so Andrea González, die Leiterin des spanischen Jugendrates. Diese Entwicklungen werfen einen Schatten auf die Zukunft der Jugend in Spanien und erfordern dringende politische Maßnahmen.
Quelle: surinenglish.com
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