Barcelona erlebt einen tiefgreifenden demografischen Wandel. Aktuelle Zahlen des Einwohnermelderegisters zeigen, dass inzwischen mehr als jeder vierte Bewohner der katalanischen Hauptstadt keine spanische Staatsbürgerschaft besitzt. Konkret leben in der Stadt derzeit rund 460.000 Menschen mit ausländischem Pass, was einem Anteil von 26,6 Prozent entspricht. Vor knapp 30 Jahren lag dieser Wert noch bei lediglich 1,8 Prozent – damals waren gut 26.500 Ausländer in Barcelona gemeldet.
Die Entwicklung hat sich besonders seit Beginn der 2000er Jahre beschleunigt. Damals startete die erste große Migrationswelle, vor allem aus Lateinamerika, die den Anteil der Ausländer auf etwa drei Prozent steigen ließ. In den folgenden Jahren wuchs die Gruppe stetig, und Anfang 2010 lag der Anteil bereits bei 17,5 Prozent. Heute ist die Vielfalt der Herkunftsländer in der Stadt deutlich größer, und die ausländische Bevölkerung verteilt sich auf nahezu alle Stadtviertel.
Die Verteilung der ausländischen Einwohner zeigt allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen. Besonders hoch ist die Konzentration in Ciutat Vella, dem historischen Zentrum Barcelonas. Dort liegt der Anteil der ausländischen Bewohner in einigen Vierteln deutlich über 50 Prozent. So sind im Viertel El Raval heute mehr als 54 Prozent der Einwohner Ausländer, im benachbarten Gòtic sogar fast 68 Prozent. Diese beiden Viertel sind seit Jahrzehnten Ankunftsorte für Migranten und haben sich zu echten Schmelztiegeln entwickelt.
Auch andere Stadtteile wie Besòs i el Maresme im Stadtbezirk Sant Martí verzeichnen eine starke Zunahme ausländischer Bewohner. Hier hat sich die Bevölkerung mit spanischer Herkunft, die in den 1960er bis 1980er Jahren aus anderen Regionen Spaniens nach Barcelona kam, zunehmend durch Zuwanderer aus Ländern wie Pakistan ersetzt. Insgesamt gibt es mittlerweile 14 Stadtviertel in Barcelona, in denen mehr als 30 Prozent der Bevölkerung ausländische Staatsbürger sind.
Dieser rasante Anstieg der ausländischen Bevölkerung wirkt sich spürbar auf verschiedene Bereiche des städtischen Lebens aus. Der Arbeitsmarkt passt sich an die neuen Bevölkerungsstrukturen an, und auch die städtische Infrastruktur steht vor Herausforderungen. Besonders die Bereiche Gesundheit, Bildung und vor allem der Wohnungsmarkt sind betroffen. Der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum ist mittlerweile eines der größten Probleme in Barcelona. Die steigende Nachfrage führt zu einem erheblichen Druck bei der Wohnungssuche, was viele Einwohner, darunter auch zahlreiche Auswanderer und Expats, vor große Schwierigkeiten stellt.
Ein weiterer Aspekt des demografischen Wandels ist der Ausgleich negativer Geburtenraten. Barcelona verzeichnet seit Jahren eine sinkende Zahl von Geburten, was zu einem natürlichen Bevölkerungsrückgang führen würde. Die Zuwanderung aus aller Welt kompensiert diesen Trend und sorgt dafür, dass die Stadt weiter wächst. Dabei werden immer weniger Unterschiede zwischen den Stadtteilen sichtbar, auch wenn die Herkunftsländer der Bewohner regional variieren.
Für deutschsprachige Leser, die in Barcelona leben, die Stadt bereisen oder einen Umzug in die katalanische Metropole planen, sind diese Entwicklungen von großer Bedeutung. Die hohe Zahl ausländischer Einwohner prägt das soziale und kulturelle Leben der Stadt stark mit. Gleichzeitig müssen sie sich auf Herausforderungen wie den angespannten Wohnungsmarkt einstellen. Die Vielfalt macht Barcelona zu einer lebendigen und internationalen Stadt, stellt aber auch Verwaltung und Infrastruktur vor neue Aufgaben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Barcelona in den letzten drei Jahrzehnten eine der dynamischsten und tiefgreifendsten demografischen Veränderungen unter den europäischen Großstädten durchgemacht hat. Die ausländische Bevölkerung hat sich vermehrfacht und prägt heute das Gesicht der Stadt in vielen Stadtvierteln maßgeblich. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die städtischen Dienstleistungen und besonders den Wohnungsmarkt sind enorm und werden die Entwicklung Barcelonas in den kommenden Jahren weiterhin bestimmen.
Quelle: lavanguardia.com
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