In Barcelona ermittelt die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei wegen mindestens acht Wohnungen in zwei Wohngebäuden, die offenbar für betrügerische Meldungen im Einwohnermelderegister genutzt wurden. Die Fälle betreffen Immobilien in den Stadtteilen Clot im Bezirk Sant Martí und Vila de Gràcia. Bewohner hatten Briefe an unbekannte Personen in ihren Briefkästen gefunden, die als erste Hinweise auf die Unregelmäßigkeiten dienten. Diese Post stammte von der Stadtverwaltung und war an Namen adressiert, die mit den tatsächlichen Mietern oder Eigentümern nichts zu tun hatten.
Die betroffenen Immobilien sind sogenannte „propietats verticals“, bei denen die Wohnungen verschiedenen Eigentümern gehören. In Clot wurden vier Wohnungen für die falschen Anmeldungen missbraucht, in Gràcia wurden ähnliche Fälle registriert. In einem Fall entdeckte eine Mieterin, dass sie aus dem Melderegister ihrer Wohnung gelöscht worden war, weil mehrere Personen mit gefälschten Unterlagen dort angemeldet wurden. Die Zahl der gleichzeitig gemeldeten Personen überschritt die zulässige Belegung für die Wohnfläche von 60 Quadratmetern, was letztlich zur Abmeldung der rechtmäßigen Bewohnerin führte.
Die Fälschungen basierten offenbar auf gefälschten Mietverträgen, die unter dem Namen einer Frau eingereicht wurden, deren spanisch klingender Nachname immer wieder in verschiedenen Verträgen auftauchte. Die Unterlagen enthielten zudem angebliche Vollmachten, die es erlaubten, andere Personen – meist ausländische Staatsbürger – an diesen Adressen anzumelden. Die Stadtverwaltung prüft nun, ob diese Vorgänge eine Straftat darstellen, insbesondere im Hinblick auf Urkundenfälschung und betrügerische Machenschaften, die möglicherweise von organisierten Gruppen zum Zweck der Geldgewinnung durchgeführt werden.
Die ersten Hinweise kamen von der Cambra de la Propietat Urbana de Barcelona, einer Organisation, die Immobilien verwaltet und berät. Eigentümer und Mieter hatten sich an die Kammer gewandt, nachdem sie die ungewöhnliche Post erhalten hatten. In Gràcia meldeten auch Mieter, dass sie Briefe erhielten, die an andere Personen adressiert waren, die nie in ihren Wohnungen gewohnt hatten. Die Stadt reagiert auf solche Fälle mit einer Sicherheitsmaßnahme: Wenn neue Anmeldungen an einer Adresse eingehen, wird der bisherige Meldebewohner kontaktiert, um die Abmeldung zu bestätigen. Diese Regelung soll verhindern, dass Personen fälschlich in Wohnungen gemeldet bleiben und so die Einwohnerzahlen verfälschen oder eine Überbelegung entsteht.
Die Ermittlungen laufen weiterhin. Die Polizei, konkret die Mossos d’Esquadra, ist über weitere ähnliche Fälle informiert. Die Stadtverwaltung arbeitet eng mit der Guardia Urbana zusammen, um die Fälle aufzuklären und gegebenenfalls strafrechtliche Schritte einzuleiten. Für deutschsprachige Bewohner und Besucher Barcelonas bedeutet dies, dass sie bei ungewöhnlichen Zustellungsproblemen oder unerwarteten Mitteilungen von der Stadt genau hinschauen sollten. Besonders Mieter sollten ihre Meldedaten regelmäßig überprüfen, um nicht Opfer solcher Betrugsmaschen zu werden.
Die Aufdeckung der gefälschten Meldungen in Barcelona zeigt, wie komplex und vielschichtig das Thema Einwohnermelderegister in einer Großstadt ist. Die genaue Zahl der betroffenen Wohnungen könnte noch steigen, da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Für die Stadt ist es ein wichtiges Anliegen, die Integrität des Melderegisters sicherzustellen, um korrekte Einwohnerzahlen und eine faire Verteilung von Ressourcen und Dienstleistungen gewährleisten zu können. Die Fälle in Clot und Gràcia dienen als Warnung für Eigentümer und Mieter, ihre Adressdaten im Blick zu behalten und bei Unregelmäßigkeiten umgehend die Behörden zu informieren.
Quelle: elperiodico.cat
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