Die Bildungsdefizite unter der jungen Roma-Bevölkerung in Spanien sind alarmierend. Rund 63 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren aus der Roma-Gemeinschaft schaffen es nicht, die obligatorische Sekundarschulbildung (ESO) abzuschließen. Im Vergleich dazu liegt die Abbruchquote bei der Gesamtbevölkerung Spaniens bei lediglich vier Prozent. Diese drastische Diskrepanz verdeutlicht die große soziale und bildungspolitische Herausforderung, vor der die Roma stehen.
Um dem entgegenzuwirken, startete die Fundación Secretariado Gitano im Jahr 2009 das Programm Promociona. Finanziert vom Europäischen Sozialfonds, richtet sich diese Initiative gezielt an Roma-Schülerinnen und -Schüler sowie deren Familien. Ziel ist es, die Abschlussquote der ESO zu erhöhen und mehr junge Roma dazu zu bewegen, weiterführende Bildungswege einzuschlagen. Die Kernmaßnahme sind die sogenannten „Aulas Promociona“ – spezielle Lernräume, in denen individuelle Unterstützung, Nachhilfe und Bildungsberatung angeboten werden.
Das Programm ist in 53 Gemeinden in 13 autonomen Gemeinschaften Spaniens aktiv und erreicht jährlich über 1.600 Schüler sowie deren Familien. Insgesamt kooperiert Promociona mit mehr als 500 Schulen landesweit. Die Erfolge sprechen für sich: Etwa 85 Prozent der Teilnehmer schließen die obligatorische Sekundarstufe erfolgreich ab, und über 90 Prozent setzen ihre Ausbildung im Anschluss fort. Diese Zahlen zeigen, dass gezielte Förderung und individuelle Betreuung einen nachhaltigen Einfluss auf die Bildungskarrieren junger Roma haben können.
Ergänzend zu Promociona wurde kürzlich eine Kooperation zwischen der Fundación Telefónica, dem Bildungsinnovationsprogramm ProFuturo und der Fundación Secretariado Gitano geschlossen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die digitalen Kompetenzen der Roma-Jugend sowie ihrer Familien zu stärken und Lehrkräfte weiterzubilden. So sollen die Chancen auf schulischen Erfolg und berufliche Integration weiter verbessert werden. Die Partnerschaft baut auf bisherigen Initiativen auf, die bereits Workshops zur digitalen Alphabetisierung, sicheren Nutzung von Technologien und digitalen Rechten umfassen, um der digitalen Kluft entgegenzuwirken.
Die Förderung erfolgt unter anderem durch den Einsatz von Freiwilligen der Fundación Telefónica, die außerschulische Unterstützung leisten, sowie durch Online-Kurse für Lehrkräfte zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Neurodidaktik, Gamification und innovativen Unterrichtsmethoden. Isabel Salazar, Generaldirektorin der Fundación Telefónica, betont, dass diese Vereinbarung das soziale Engagement des Unternehmens unterstreicht, technologische Möglichkeiten für benachteiligte Gruppen zugänglich zu machen.
Sara Giménez, Direktorin der Fundación Secretariado Gitano, hebt hervor, dass Bildung der Schlüssel zur Überwindung von sozialer Ausgrenzung und Ungleichheit ist. Die hohe Schulabbruchquote, Bildungssegregation und weitere Barrieren behindern die Zukunftschancen von Roma-Kindern und -Jugendlichen. Deshalb ist die Unterstützung durch starke Partner wie Fundación Telefónica und ProFuturo von großer Bedeutung.
Für deutschsprachige Leser, die in Spanien leben, reisen oder auswandern möchten, zeigt dieses Programm ein Beispiel gelungener sozialer Integration und Bildungsförderung. Besonders in Regionen mit bedeutender Roma-Bevölkerung kann die verbesserte Bildungsbeteiligung langfristig zu mehr sozialer Stabilität beitragen. Zudem verdeutlicht die Initiative die Bedeutung digitaler Bildungskompetenzen, die auch für die Arbeitsmarktintegration in Spanien zunehmend entscheidend sind.
Insgesamt demonstriert das Programm Promociona, wie gezielte Bildungsförderung und technologische Unterstützung soziale Ungleichheiten reduzieren können. Die Kombination aus individueller Betreuung, digitaler Kompetenzentwicklung und engagierten Partnerschaften bietet ein Modell, das auch für andere benachteiligte Gruppen in Spanien von Interesse sein könnte.
Quelle: diariodemallorca.es
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