Barcelona hat in den vergangenen Tagen eine groß angelegte Polizeaktion gegen den illegalen Handel mit Schusswaffen erlebt. Die Mossos d’Esquadra, unterstützt von der Guardia Urbana und der Policía Nacional, haben in mehreren Stadtteilen insgesamt 13 Verdächtige festgenommen und 254 Personen überprüft. Die Razzia richtete sich vor allem gegen kriminelle Netzwerke, die mit Pistolen und Schrotflinten handeln und diese im Zusammenhang mit Drogenhandel und Gewaltverbrechen nutzen.
Über 150 Beamte waren an dem Einsatz beteiligt, der sich auf Bezirke wie Sants-Montjuïc, Nou Barris, Sant Andreu und Sant Martí konzentrierte. Besonders intensiv kontrollierten die Einsatzkräfte die Umgebung der Zona Franca, darunter die Viertel La Marina sowie die Grenzbereiche zwischen Sants und L’Hospitalet de Llobregat. Dort hatten sich in den letzten Monaten vermehrt Schusswaffen gezeigt, die von Kriminellen versteckt und für Auseinandersetzungen eingesetzt werden.
Die Operation erfolgte unmittelbar nach zwei Morden innerhalb von 72 Stunden in Barcelona. Beide Opfer, mutmaßlich serbischer Herkunft, wurden in Zusammenhang mit Racheakten im Drogenmilieu gesehen. Ein Tatort war die Calle de la Mineria, wo ein Killer sein Opfer am hellichten Tag von hinten erschoss. Die Polizei geht davon aus, dass die Schusswaffen, die bei den Taten verwendet wurden, Teil eines größeren illegalen Waffennetzwerks sind, das eng mit dem Drogenhandel verknüpft ist.
Neben den Festnahmen wurden 15 Ordnungswidrigkeitenanzeigen ausgestellt, unter anderem wegen des Besitzes von Messern und Drogen, sowie wegen Verweigerung der Identifikation und Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamten. Die Polizei durchsuchte auch einen Bar, bei dem der Verdacht bestand, dass dort Waffen versteckt sein könnten. Zudem wurden drei elektrische Roller sichergestellt, die offenbar bei Diebstählen eingesetzt werden sollten.
Die meisten der Festgenommenen haben bereits umfangreiche Vorstrafen: Insgesamt 93 Einträge verzeichneten die Behörden bei den 13 Inhaftierten. Unter ihnen befanden sich Personen, die gerade beim Diebstahl erwischt wurden, solche mit Haftbefehlen und andere, die gegen Ausländergesetze verstoßen hatten. Die Nationalpolizei stellte zudem fest, dass drei der Festgenommenen sich illegal in Spanien aufhielten.
Die Polizeiführung betont, dass der Einsatz Teil einer Strategie ist, die öffentliche Präsenz der Polizei in den betroffenen Vierteln massiv zu erhöhen und so das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Trotz eines allgemeinen Rückgangs der Straftaten in Barcelona haben die jüngsten Schießereien und Morde das Sicherheitsgefühl erheblich beeinträchtigt. Nach Angaben des Leiters der Abteilung für Bürger- und Nähe-Sicherheit der Mossos in Barcelona, Rafael Tello, gab es allein im letzten Monat rund ein Dutzend Schießereien mit vier Todesopfern und mehreren Verletzten.
Diese Gewalttaten seien meist Ausdruck von Konflikten innerhalb der organisierten Kriminalität und des Drogenhandels. Die Täter setzen Schusswaffen gezielt ein, um Rivalen einzuschüchtern oder auszuschalten. Dabei handelt es sich häufig um professionelle Auftragskiller, die nach der Tat das Land verlassen. Tello unterstrich, dass die Polizei verstärkt gegen die lokalen Waffenlieferanten vorgehen will, um die Verfügbarkeit von Schusswaffen auf den Straßen zu reduzieren.
Der illegale Waffenhandel in Barcelona zeigt eine Verschiebung hin zu mehr Kurzwaffen. Während im Vorjahr noch 54 Prozent der beschlagnahmten Waffen Langwaffen waren, beträgt der Anteil der Kurzwaffen in diesem Jahr bereits 70 Prozent. Dieses Phänomen wird vor allem mit der Schutzfunktion der Waffen für Drogenhändler und deren Auseinandersetzungen erklärt.
Für deutschsprachige Bewohner und Besucher Barcelonas bedeutet die verstärkte Polizeipräsenz vor allem eine erhöhte Sicherheit in den betroffenen Stadtteilen. Reisende sollten jedoch vorsichtig sein, insbesondere in den Vierteln rund um die Zona Franca und Sants, wo die Polizei derzeit verstärkt aktiv ist. Die Aktion zeigt, dass die Behörden entschlossen gegen die organisierte Kriminalität vorgehen, die das Stadtbild und die Lebensqualität beeinträchtigt.
Insgesamt verdeutlicht die Großrazzia, wie eng Waffenhandel und Drogenkriminalität in Barcelona verwoben sind und welche Herausforderungen die Polizei bei der Bekämpfung dieser Probleme hat. Die Behörden setzen auf eine Kombination aus verstärkter Präsenz, gezielten Kontrollen und der Verfolgung von Waffenhändlern, um die Gewaltspirale zu durchbrechen und die öffentliche Sicherheit zu erhöhen.
Quelle: elperiodico.cat
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