In Málaga formiert sich ein breiter Widerstand gegen die steigenden Mieten und unsicheren Arbeitsbedingungen. Die Plattform „Málaga Para Vivir“ ruft zu einem Generalstreik auf, der im Herbst oder Anfang nächsten Jahres stattfinden soll. Ziel ist es, mit dieser umfassenden Protestaktion die Aufmerksamkeit auf die Wohnungsnot und die prekären Lebensverhältnisse in der Stadt zu lenken und politischen Druck aufzubauen.
Am 27. Juni startet eine große Demonstration in Málaga, die um 11:30 Uhr von der Plaza de la Merced aus losgeht. Unter dem Motto „Weder himmelhohe Mieten noch karge Löhne: auf zum Generalstreik für Wohnraum“ wollen Tausende Menschen auf die Straße gehen. Dani Machuca, Sprecher und Koordinator von Málaga Para Vivir, betont, dass die Gewerkschaften keine andere Wahl hätten, als einen solchen Streik auszurufen. Die Bewegung versteht den Streik als Mittel, um grundlegende Veränderungen zu erzwingen und die Rechte der Bewohner zu verteidigen.
Die Proteste gegen Wohnungsnot sind in Málaga nicht neu. Bereits am 5. April 2025 fand eine große Demonstration statt, die sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Stadt richtete. Alberto Martín, ebenfalls Sprecher von Málaga Para Vivir, weist darauf hin, dass seitdem die Probleme mit steigenden Mieten und unsicheren Lebensverhältnissen weiter zugenommen haben. Er kritisiert besonders die Genehmigung großer Bauprojekte wie den Hafen von Huelin, die Privatisierung des ehemaligen Gefängnisses Cruz del Humilladero zur Errichtung eines privaten Bildungszentrums sowie die Umgestaltung der Strandpromenade von El Palo. Diese Projekte würden die Gentrifizierung vorantreiben und die Mietpreise weiter in die Höhe treiben.
Um die Betroffenen direkt einzubinden, organisiert Málaga Para Vivir diverse Workshops und Treffen in den besonders betroffenen Stadtvierteln Huelin, Cruz del Humilladero und El Palo. Dort sollen Strategien für den Protest entwickelt und die Bevölkerung mobilisiert werden. In ihrem kürzlich veröffentlichten Manifest bekräftigt die Plattform ihre Entschlossenheit, nicht nachzulassen und den Kampf gegen ein Stadtmodell fortzusetzen, das wenige begünstigt, aber viele in prekäre Verhältnisse drängt.
Trotz mehrerer großer Demonstrationen in den vergangenen zwei Jahren – neben der April-Demo 2025 auch Aktionen am 29. Juni und 9. November – sehen die Aktivisten keine ausreichenden Maßnahmen der Behörden. Im Gegenteil, wichtige soziale Schutzmaßnahmen wie ein Mietzahlungsaufschub oder ein soziales Auffangnetz gegen Zwangsräumungen wurden aufgegeben. Die Plattform fordert deshalb ein kollektives Vorgehen, das mit einem Generalstreik die Stadt zum Stillstand bringen soll, um so die Dringlichkeit der Lage zu unterstreichen.
Der Aufruf richtet sich auch direkt an die Gewerkschaften. Málaga Para Vivir verweist auf frühere erfolgreiche Streiks, etwa den feministischen Streik 2018 oder den Solidaritätsstreik für Palästina im vergangenen Herbst, die zeigten, dass eine breite gewerkschaftliche Unterstützung entscheidend ist. Die Plattform appelliert, das wachsende Unbehagen in der Bevölkerung ernst zu nehmen und gemeinsam den Prozess für einen Generalstreik zu starten.
Parallel zur Demonstration am 27. Juni finden weitere Veranstaltungen statt. Am Freitagabend diskutieren Vertreter der Plattform über aktuelle Konflikte wie den 50-tägigen Streik der Müllwerker von FCC-Aqualia, den Kampf der Bewohner von Avenida Europa 15 gegen Zwangsräumungen sowie die Arbeit der Organisation Un Techo Por Derecho, die bei jeder Räumung aktiv wird. Am Samstag folgen weitere Gespräche über das Potenzial von Streiks als Instrument gesellschaftlicher Veränderung.
Die Proteste in Málaga gehen weit über das Thema Wohnen hinaus. Die Aktivisten kritisieren auch die steigenden Lebenshaltungskosten, die Ausbeutung durch lange Arbeitszeiten und unsichere Jobs, die Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen und die Zerstörung von Gemeinschaftseinrichtungen. Damit umfasst der Widerstand neben Wohnraum auch die Bereiche Gesundheit, Arbeit, Bildung und öffentliche Infrastruktur. Málaga Para Vivir fordert alle Organisationen und Gewerkschaften auf, sich an den Mobilisierungen zu beteiligen und gemeinsam für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Für deutschsprachige Bewohner und Besucher der Stadt bedeutet dies, dass sie in den kommenden Monaten mit erhöhten Protestaktivitäten und möglichen Einschränkungen im öffentlichen Leben rechnen müssen. Die Entwicklungen in Málaga sind ein deutliches Zeichen für die wachsende soziale Unzufriedenheit in einer der beliebtesten Metropolen Andalusiens.
Quelle: surinenglish.com
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