Mallorca steht an einem ökologischen Wendepunkt. Die neue Aliança Mar i Terra, ein Zusammenschluss von sieben gemeinnützigen Organisationen, will die Insel als lebendiges Ökosystem von den Bergen bis zum Meeresgrund regenerieren. Ihr Koordinator, Jordi Oliva, sieht die größte Herausforderung darin, die wachsende Überlastung der Inselbevölkerung zu lindern und die Umweltkrise ganzheitlich anzugehen.
Die Initiative entstand aus Gesprächen zwischen 2020 und 2021. Die beteiligten Vereine stellten fest, dass Umwelt- und soziale Probleme auf Mallorca eng miteinander verknüpft sind und nicht isoliert gelöst werden können. Erstmals verbinden sie nun Projekte aus dem marinen und terrestrischen Bereich, um gemeinsam eine nachhaltige Zukunft zu gestalten. Oliva bezeichnet die Allianz als „historischen Wendepunkt“ für Mallorca.
Die Wahrnehmung einer Überfüllung ist für viele Bewohner keine neue Erfahrung. Diese Empfindung resultiert aus langjährigen Belastungen der Natur und sozialen Spannungen. Die Pandemiezeit gab den Anstoß, die Kräfte zu bündeln und im November 2022 den Kern der Aliança Mar i Terra zu gründen. Ziel ist es, die Beziehung der Menschen zur Insel grundlegend zu verändern: Weg von der Ausbeutung hin zur aktiven Erneuerung der Natur.
Das Herzstück des Projekts bildet der Projecte Pilot Blau, der bereits im dritten Jahr läuft und als Labor für praktische Maßnahmen dient. Er kombiniert die Wiederaufforstung der Posidonia-Seegraswiesen mit der Reduzierung von Schadstoffen aus der Landwirtschaft. Posidonia ist ein entscheidender Meereslebensraum, dessen Erhalt wesentlich vom Schutz vor giftigen Agrochemikalien abhängt, die über Flüsse und Bäche vom Puig Major in die Küstengewässer gelangen.
Bislang haben die beteiligten Gruppen über 30 landwirtschaftliche Betriebe bei der Umstellung auf ökologischen Anbau begleitet, um den Einsatz von Düngemitteln, Insektiziden und Nitraten zu minimieren. Gleichzeitig wurden mehr als 260 Posidonia-Pflanzungen entlang der Nordküste in Cala Murta und Aucanada angelegt. Diese Pilotflächen helfen, geeignete Techniken für den Erhalt der Seegraswiesen unter veränderten Klimabedingungen zu finden.
Die Besonderheit des Projekts liegt in seiner ganzheitlichen Sichtweise. Land und Meer werden als zusammenhängendes Ökosystem betrachtet. Oft endet der Schutz an der Küstenlinie, obwohl die Belastungen von Land direkt ins Meer getragen werden. Die Aliança fordert, den gesamten Lebensraum von den Bergen bis in die Tiefsee zu schützen und die ökologischen Funktionen wiederherzustellen.
Die Zusammenarbeit umfasst nicht nur den Naturschutz, sondern auch Bereiche wie Agroökologie und Ernährungssouveränität. Nur durch das Zusammenspiel aller Akteure könne Mallorca langfristig widerstandsfähiger werden. Insbesondere angesichts der Wasserkrise auf der Insel müsse die gesamte Gesellschaft einbezogen werden.
Der Projecte Pilot Blau läuft noch bis April 2027. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Modell in weiteren Regionen Mallorcas umgesetzt werden. Für deutschsprachige Bewohner und Besucher bedeutet dies, dass sie künftig in einer ökologisch regenerierten Umgebung leben und reisen können. Die Maßnahmen wirken sich positiv auf die Wasserqualität, die Biodiversität und das Landschaftsbild aus. Zudem fördert die Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft lokale Produkte und reduziert Umweltbelastungen.
Mallorca zeigt mit der Aliança Mar i Terra einen neuen Ansatz, der über reine Naturschutzprojekte hinausgeht. Die Insel will sich als lebendiger Organismus verstehen, der Mensch und Natur in Einklang bringt. Diese Initiative könnte wegweisend für andere Mittelmeerregionen sein, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Quelle: diariodemallorca.es
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