Während die Inflationsrate in Spanien im Mai 2024 mit 3,2 Prozent auf dem gleichen Niveau wie im April blieb, verbergen sich hinter dieser Stabilität deutliche Preissteigerungen in einzelnen Bereichen. Besonders stark betroffen sind Reisende: Die Kosten für Verkehrsmittel und Unterkünfte sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Zugleich sanken die Preise für Lebensmittel leicht, was für Verbraucher eine gewisse Entlastung bedeutet.
Die Organisation der Verbraucher und Nutzer (OCU) hat die Entwicklung der Verbraucherpreise im Mai analysiert und dabei erhebliche Unterschiede zwischen den Sektoren festgestellt. So stiegen die Preise für den kombinierten Personentransport im Mai um 26,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Flugtickets für Inlandsflüge kosteten 25,5 Prozent mehr, und Fahrten mit dem Reisebus verteuerten sich um 6,8 Prozent. Diese Entwicklung fällt gerade in den Monat, in dem viele Spanier und Touristen ihre Sommerurlaube buchen. Auch die Preise für Hotels und Ferienwohnungen zogen an, mit einem Anstieg von 8,9 Prozent. Urlaub in Ferienzentren, Campingplätzen und Jugendherbergen wurde um 4,4 Prozent teurer.
Die OCU führt diese Entwicklungen unter anderem auf den Anstieg der Ölpreise zurück. Der Konflikt zwischen Iran und den USA, der zur Blockade der Straße von Hormus führte, hat die Preise für Ölprodukte in die Höhe getrieben. Obwohl der Preis für Heizöl im Mai leicht zurückging, liegt die Steigerung im Jahresvergleich bei 48,8 Prozent. Der Diesel für Fahrzeuge verteuerte sich um 23,9 Prozent, Benzin um 7,5 Prozent. Diese Teuerungen wirken sich direkt auf den Transportsektor und damit auf Reisekosten aus.
Neben den Reisekosten stiegen auch die Gebühren für die Müllabfuhr um 26,6 Prozent an. Versicherungen, insbesondere Krankenversicherungen, wurden um 8,9 Prozent teurer. Auch Kfz-Versicherungen und Policen für Todesfall und Unfälle verzeichneten deutliche Preissteigerungen von 8,8 beziehungsweise 6,6 Prozent.
Entlastung gibt es hingegen bei den Energiekosten für private Haushalte. Die Preise für Flüssiggas, also Butan und Propan, sanken im Mai um 15,4 Prozent, was auf eine im März eingeführte Steuersenkung zurückzuführen ist, die im Juni ausläuft. Auch die Kosten für Erdgas fielen um 9,7 Prozent, und die Strompreise gingen um 5,5 Prozent zurück. Der Rückgang bei der Elektrizität ist auf den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im spanischen Energiemix zurückzuführen, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert.
Bei den Lebensmitteln zeigte sich im Mai ebenfalls eine leichte Entspannung. Frisches Obst wie Wassermelonen, Melonen, Trauben und Kiwis wurde um 9 Prozent günstiger. Insgesamt lag die jährliche Preissteigerung im Lebensmittelbereich bei moderaten 2,2 Prozent, was 0,4 Prozentpunkte unter dem Wert von April und einem Punkt unter dem allgemeinen Verbraucherpreisindex liegt. Die Lebensmittelhandelsbranche, vertreten durch den Verband Asedas, erklärt, dass die Agrar- und Lebensmittelkette weiterhin mit strukturellen Mehrkosten kämpft. Diese entstehen vor allem durch gestiegene Preise für Treibstoffe, Rohstoffe wie Zellulose, Polyethylen und Weißblech sowie teurere Agrarinputs wie Düngemittel.
Trotz dieser Herausforderungen hat die Lebensmittelbranche laut Asedas keine Preiserhöhungen aufgrund der Nahost-Krise vorgenommen. Die Unternehmen absorbieren die Mehrkosten, um die Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten. Der Verband schätzt, dass die Mehrkosten für Transport und Energie bis Ende Mai bereits 70 Millionen Euro erreicht haben könnten.
Für deutschsprachige Urlauber und Residenten in Spanien bedeutet das: Während die Preise für Reisen und Unterkünfte in der Hauptreisezeit kräftig gestiegen sind, können sie bei Lebensmitteln und Energie auf leichte Entlastungen hoffen. Wer im Sommer an der Costa Blanca, auf Mallorca oder in Andalusien Urlaub macht, muss mit höheren Kosten für Flüge, Busfahrten und Übernachtungen rechnen. Zugleich bleibt der Einkauf im Supermarkt moderat teuer, und die Stromrechnung könnte sich etwas verringern.
Diese Preisentwicklung zeigt, wie unterschiedlich die Inflation einzelne Lebensbereiche trifft. Für Reisende und Pendler sind die höheren Transportkosten spürbar, während private Haushalte durch sinkende Energiekosten und stabile Lebensmittelpreise teilweise entlastet werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt oder der Preisdruck in den Reise- und Energiekosten wieder zunimmt.
Quelle: diariodemallorca.es
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