In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Struktur der Haushalte in Spanien erheblich gewandelt. Laut dem Bericht „Llars en transformació“ der Fundación La Caixa ist die Zahl der Einpersonenhaushalte seit 1991 um beeindruckende 81 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Anzahl der großen Haushalte, die aus fünf oder mehr Personen bestehen, um 73 Prozent zurückgegangen. Albert Esteve, Direktor des Centro de Estudios Demográficos und Mitautor der Studie, erläutert, dass die durchschnittliche Anzahl der Bewohner in spanischen Haushalten von 3,3 auf 2,4 gesunken ist. Diese Veränderung spiegelt einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel wider, der auch die Lebensweise vieler Menschen auf den Kanarischen Inseln betrifft.
Der demografische Wandel in Spanien steht im Zusammenhang mit mehreren Faktoren, darunter eine sinkende Geburtenrate und eine steigende Lebenserwartung. Esteve weist darauf hin, dass Spanien im europäischen Vergleich noch nicht das Land mit den kleinsten Haushaltsgrößen ist, da viele junge Erwachsene relativ spät aus dem Elternhaus ausziehen. Dies führt dazu, dass die Generationen länger zusammenleben, was die traditionellen Familienstrukturen beeinflusst. Im Gegensatz dazu zeigen skandinavische Länder eine durchschnittliche Haushaltsgröße von unter zwei Personen.
Die Gründe für diesen Wandel sind vielfältig. Eine verbesserte wirtschaftliche Situation und die steigende Gesundheit älterer Menschen haben es ermöglicht, dass Familien nicht mehr so eng zusammenleben wie früher. Esteve erklärt, dass es eine latente Präferenz für ein selbstständiges Leben gibt, solange die wirtschaftlichen Bedingungen dies zulassen. Interessanterweise zeigt die Studie auch, dass ältere Generationen zunehmend in der Lage sind, unabhängig zu leben, was den Druck auf jüngere Familien verringert.
Eine weitere interessante Beobachtung ist die Verschiebung der familiären Unterstützungsstrukturen. Früher lebten oft mehrere Generationen unter einem Dach, um sich gegenseitig abzusichern. Heute hingegen unterstützen häufig die älteren Familienmitglieder die jüngeren, was sich in der Tatsache zeigt, dass viele junge Erwachsene auch nach dem 30. Lebensjahr bei ihren Eltern wohnen. Diese Entwicklung ist nicht nur in Spanien zu beobachten, sondern auch in einigen asiatischen Ländern, wo junge Paare oft aus finanziellen Gründen bei Verwandten leben.
Esteve erklärt, dass die Veränderungen in der Haushaltsstruktur auch Auswirkungen auf die Wohnraumsituation in Spanien haben könnten. Die Studie zeigt, dass in den letzten 30 Jahren Millionen neuer Haushalte entstanden sind, wobei ein erheblicher Teil des Wachstums auf die Zunahme von Einpersonenhaushalten zurückzuführen ist. Wenn die durchschnittliche Haushaltsgröße in Spanien derjenigen in Schweden entsprechen würde, wäre ein erheblicher Anstieg der benötigten Wohnfläche notwendig. Angesichts der Tatsache, dass viele junge Menschen nach wie vor bei ihren Eltern leben, könnte eine frühere Emanzipation dieser Generationen zu einem noch größeren Bedarf an Wohnungen führen.
Für die deutschsprachigen Leser auf den Kanarischen Inseln ist diese Entwicklung von Bedeutung, insbesondere für diejenigen, die an einem Umzug oder einer Investition in Immobilien interessiert sind. Die Veränderungen in der Haushaltsstruktur könnten die Nachfrage nach Wohnraum beeinflussen und somit auch die Immobilienpreise auf den Inseln. Die aktuellen Trends deuten darauf hin, dass eine flexible und anpassungsfähige Wohnraumpolitik erforderlich ist, um den Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht zu werden.
Quelle: elperiodico.cat
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