Der Vergleich der Wohnungsmärkte zwischen Madrid und Barcelona entwickelt sich zunehmend zu einem neuen Klassiker – allerdings nicht auf dem Fußballplatz, sondern auf dem Immobilienmarkt. Während Madrid im letzten Quartal 2025 einen deutlichen Rückgang bei Wohnungsverkäufen verzeichnete, konnte Barcelona leicht zulegen. Das geht aus dem jüngsten Observatorio de Vivienda y Suelo des spanischen Ministeriums hervor, der die aktuellen Entwicklungen in den beiden wichtigsten Metropolregionen Spaniens dokumentiert.
Konkret sank die Anzahl der Wohnungsverkäufe in der Provinz Madrid um 12,6 Prozent – der stärkste Rückgang im gesamten Land. Barcelona hingegen verzeichnete ein kleines Plus von 1,2 Prozent bei den Kauftransaktionen. Diese Zahlen illustrieren, wie unterschiedlich sich die beiden Städte in einem zentralen Lebensbereich entwickeln. Die Balance verschiebt sich zugunsten der katalanischen Hauptstadt, die in letzter Zeit auch auf dem Fußballfeld gegen Madrid die Oberhand gewinnt.
Doch nicht nur der Kaufmarkt zeigt Unterschiede, auch bei den Mietpreisen klaffen die beiden Städte weit auseinander. In Madrid liegt der durchschnittliche Mietpreis bei etwa 1.450 Euro, während in Barcelona die Mieten rund 300 Euro günstiger ausfallen. Der Grund dafür liegt in der Anwendung von Mietpreisobergrenzen, die in Katalonien seit einiger Zeit gelten. Madrid verzichtet auf diese Regulierung, was auf die Ablehnung der konservativ regierten autonomen Gemeinschaft gegenüber Maßnahmen der sozialistischen Zentralregierung zurückzuführen ist.
Die fehlende Regulierung führt in Madrid zu einer schwierigen Situation: Die Wohnungsverkäufe gehen zurück, während die Mieten unkontrolliert steigen. Das macht es für viele Madrilenen zunehmend schwer, sich eine Wohnung zu leisten – weder zum Kauf noch zur Miete. Diese Entwicklung verschärft die Wohnungsnot in der Hauptstadt und wirft Fragen zur sozialen Durchmischung und zur Erreichbarkeit des Wohnungsmarktes für breite Bevölkerungsschichten auf.
Barcelona steht zwar besser da, doch auch hier ist die Lage keineswegs entspannt. Die Stadt kämpft weiterhin mit einem begrenzten Angebot an verfügbarem Wohnraum und einer langsamen Bautätigkeit. Die Verknappung von Bauland und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen die Neubauprojekte aus. Experten sprechen von einer „Geschwindigkeit der Schildkröte“ bei der Schaffung von neuem Wohnraum. Der Mangel an erschwinglichen Wohnungen bleibt ein drängendes Problem.
Auch auf nationaler Ebene zeichnet sich eine ernste Wohnungsnot ab. Spanien hat den Übergang von geschütztem Wohnraum in den freien Markt erlebt, was die Situation für einkommensschwächere Haushalte weiter verschärft hat. Die staatliche Gesellschaft Casa 47 wurde ins Leben gerufen, um den Bestand an sozialem Wohnraum dauerhaft zu sichern und auszubauen. Dennoch ist der Weg zu einer vergleichbaren Situation wie in Städten wie Wien – wo rund 80 Prozent des Wohnungsbestandes in öffentlicher Hand sind – noch weit.
Der Wohnungsmarkt in Madrid und Barcelona ist also ein Spiegelbild der sozialen und politischen Herausforderungen Spaniens. Während Barcelona mit Regulierung und moderatem Wachstum eine stabilere Entwicklung zeigt, steht Madrid vor einer komplexen Krise, die ohne politische Lösungen weiter zunimmt. Für deutsche, österreichische und schweizerische Bewohner und Besucher Spaniens bedeutet dies: Die Wahl des Wohnorts sollte gut überlegt sein, Mietpreise und Verfügbarkeit sind je nach Region sehr unterschiedlich. Für Auswanderer und Urlauber bleibt Barcelona derzeit die tendenziell günstigere Option, während sich in Madrid die Lage zunehmend zuspitzt.
Quelle: lavanguardia.com
Zum Original