Am 7. September wurde der Bahnverkehr der Rodalies und regionalen Züge in Katalonien mehrfach durch technische Probleme am Kontrollzentrum von Adif in der Estación de França in Barcelona gestört. Während der Papstbesuch am Flughafen El Prat für hohe Aufmerksamkeit sorgte, führte eine unerwartete Systemaktualisierung am Vormittag gegen 12:30 Uhr zu einem Komplettausfall des zentralen Zugverkehrsleitsystems (CTC). Die Folge: Rund 20 Minuten lang standen sämtliche Regionalzüge still. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich am Nachmittag um etwa 15:30 Uhr, als das System erneut ausfiel und Züge an der nächstgelegenen Station gestoppt werden mussten.
Diese technischen Pannen hatten weitreichende Auswirkungen auf den Bahnverkehr in Katalonien. Obwohl die Unterbrechungen relativ kurz waren, verursachten sie in den folgenden Stunden erhebliche Verspätungen und Beeinträchtigungen für Pendler und Reisende. Die Störungen erinnerten an einen Vorfall am 26. Januar dieses Jahres, als das System ebenfalls mehrfach ausfiel – an jenem Tag sollte der Bahnverkehr nach zweitägiger Unterbrechung infolge eines tödlichen Unfalls in Gelida wieder aufgenommen werden.
Im Unterschied zum Januar konnten die Notfall-Backup-Systeme am Bahnhof Sants beim aktuellen Vorfall schneller aktiviert werden, wodurch die Ausfallzeit der Züge deutlich reduziert wurde. Dennoch war der Zeitpunkt der Störungen besonders kritisch, da die Mobilität in Barcelona und Umgebung aufgrund der Papstvisite ohnehin stark beansprucht war.
Adif, die staatliche Infrastrukturverwaltung, reagierte mit scharfer Kritik an Siemens, dem Hersteller und Betreiber des betroffenen Leitsystems. In einer offiziellen Stellungnahme bezeichnete Adif die Vorfälle als „unverzeihlich, inakzeptabel und absolut untragbar“ und kündigte rechtliche Schritte gegen das Unternehmen an. Bereits nach dem Januar-Vorfall war ein Verfahren gegen Siemens eingeleitet worden, das bislang jedoch nicht abgeschlossen ist.
Das beanstandete System wird nicht nur von Adif genutzt, sondern auch von Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC), der Metro Barcelona und zahlreichen europäischen Bahnbetreibern – dort jedoch bislang ohne vergleichbare Probleme. Noch vor wenigen Monaten hatte Adif bei einer Begehung der Anlagen erklärt, dass es derzeit keine bessere verfügbare Lösung auf dem Markt gebe. Die nun erhobenen Vorwürfe gegen Siemens stehen daher im starken Kontrast zu dieser Einschätzung. Siemens selbst verwies auf eine routinemäßige Wartungsmaßnahme als Ursache und bestreitet, dass Adif über die Eingriffe nicht informiert gewesen sei. Brancheninsider bezweifeln jedoch, dass Siemens ohne Wissen der Betreiber solche Eingriffe durchführen konnte.
Die katalanische Regionalministerin für Territorium, Sílvia Paneque, erfuhr von der ersten Störung während einer Pressekonferenz nach dem Consell Executiu. Sie wies darauf hin, dass die Probleme mit der geplanten Zusammenlegung des Adif-Regulierungszentrums und dem Betriebsmanagement von Renfe zusammenhängen könnten – ein Projekt, das sich noch in der Planungsphase befindet. Eine weitere mögliche Ursache sieht sie in der Anpassung der Software zur Integration neuer Stellwerke mit dem Sicherheitsstandard ERTMS Level 2.
Nach der zweiten Störung verschärfte auch die Generalitat ihren Tonfall und gab eine Erklärung heraus, in der sie ankündigte, dass die Mischgesellschaft Rodalies de Catalunya – an der Renfe mit 51 Prozent und die Generalitat mit 49 Prozent beteiligt sind – ihre Rechtsabteilung beauftragen werde, alle Optionen zur Haftungsklärung gegenüber Siemens zu prüfen. Allerdings besitzt diese Gesellschaft bislang keine operative Kompetenz über den Eisenbahnverkehr, und es ist unklar, ob sie die juristischen Schritte selbst oder über die staatlichen oder regionalen Behörden abwickeln wird. Seit ihrer Gründung vor fast sechs Monaten ist der einzige Mitarbeiter der Gesellschaft weiterhin der Geschäftsführer Òscar Playà.
Für Pendler, Urlauber und Bewohner der Region Barcelona bedeutet dieser Vorfall eine erneute Warnung vor möglichen Störungen im Bahnverkehr. Die Rodalies sind eine wichtige Lebensader für die Metropolregion, und technische Probleme an zentralen Steuerungssystemen können schnell zu erheblichen Verzögerungen führen. Reisende sollten sich daher vor Fahrten auf aktuelle Verkehrsinformationen verlassen und bei Veranstaltungen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, wie dem Besuch des Papstes, besonders aufmerksam sein.
Die Affäre wirft zudem ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei der Modernisierung der katalanischen Bahninfrastruktur. Die Abhängigkeit von komplexer Technologie und externen Dienstleistern wie Siemens birgt Risiken, die sich unmittelbar auf die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs auswirken. Die angekündigten rechtlichen Schritte und die Forderungen nach Verbesserungen könnten in den kommenden Monaten zu weiteren Entwicklungen führen, die auch für deutschsprachige Expats und Reisende in der Region von Bedeutung sind.
Quelle: lavanguardia.com
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