L’Hospitalet de Llobregat, die zweitgrößte Stadt Kataloniens und Teil der Metropolregion Barcelona, stellt sich gegen die geplante Verdichtung durch das neue urbanistische Leitdokument der Metropolitanen Region Barcelona (AMB). Obwohl der Plan vorsieht, rund 5.000 neue Wohnungen in der Stadt zu errichten, wehrt sich die Stadtverwaltung gegen diese Pläne. Das Stadtgebiet von L’Hospitalet gilt mit einer Fläche von nur zwei Quadratkilometern als eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas. Vor diesem Hintergrund wächst der Widerstand gegen weitere bauliche Verdichtung insbesondere in den bereits stark belasteten Stadtteilen.
Das städtische Rathaus von L’Hospitalet, geführt vom PSC, und die kommunale Gruppe von ERC-EUiA haben gemeinsam Einwände gegen den aktuellen Entwurf des Plan Director Urbanístic Metropolità (PDUM) eingereicht. Dabei geht es vor allem darum, die Anzahl der geplanten Neubauten deutlich zu reduzieren oder ganz zu streichen. Diese Zusammenarbeit der beiden Parteien ist bemerkenswert, da sie zwar gemeinsam die Stadt regieren und auch bei der AMB zusammenarbeiten, sich jedoch in dieser Frage klar gegen die Metropolregion positionieren.
Bereits im Februar hatten die Vertreter von L’Hospitalet bei der AMB ihre Enthaltung bei der ersten Genehmigungsrunde des PDUM erklärt, da wichtige städtische Forderungen nicht berücksichtigt wurden. Besonders betroffen sind Gebiete rund um den Verkehrsknotenpunkt La Torrassa, die Rambla de Just Oliveras sowie die Bereiche entlang der Zugstrecke R2 bei den Stadtteilen Gornal und Bellvitge. Diese Zonen leiden bereits unter hoher Bevölkerungsdichte und infrastruktureller Belastung. Der Bürgermeister David Quirós (PSC) bezeichnete L’Hospitalet ironisch als „Vorzeigeschüler“ bei der Verdichtung, plädierte jedoch für eine Lockerung der Bebauung, um mehr öffentlichen Raum zu schaffen.
Kernpunkt der Einwände ist die Forderung, sogenannte „Áreas de Oportunidad Metropolitana“ (AOM) zu streichen. Diese Flächen sind für neue Wohn- und Gewerbeprojekte vorgesehen, würden jedoch laut Stadtverwaltung die kommunalen Planungsrechte beschneiden. So soll etwa die AOM Hospitalet Central, die eine Überdeckung der Zugstrecken vorsieht, komplett aus dem Plan gestrichen werden. Auch die AOM Santa Eulàlia, für die neben neuen Einrichtungen auch eine neue Grünfläche geplant ist, soll aufgrund der hohen Bebauungsdichte nicht weiter verfolgt werden.
Besonders umstritten ist die AOM Gornal-Bellvitge entlang der R2-Süd-Bahnlinie. Dort sind fast 2.000 neue Wohnungen vorgesehen. Die Stadtverwaltung fordert, die gesamte Neubaufläche zu streichen und stattdessen produktive Nutzungen zu fördern. Zudem sollen bestehende Grünflächen wie der Park Ocellets im Stadtteil Florida und der Markt Torrent Gornal erhalten bleiben, um die Lebensqualität in Europas dichtest besiedeltem Stadtgebiet zu bewahren.
Die Argumente der Stadtverwaltung decken sich weitgehend mit denen der kommunalen Gruppe ERC-EUiA. Deren Sprecher Jaume Graells betont, dass L’Hospitalet nicht weiterhin die Hauptlast der urbanen Verdichtung tragen könne, während andere Gemeinden der Metropolregion ihre Verantwortung in den Bereichen Wohnraum, öffentliche Flächen und soziale Kohäsion nicht in gleichem Maße wahrnehmen. Gemeinden wie Sant Cugat haben bereits ihren Widerstand gegen weitere Verdichtungspläne signalisiert.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den lang geplanten, aber bislang nicht terminierten und finanzierten, Deckel über die Bahnstrecken. Dieses Großprojekt gilt als Voraussetzung für viele der geplanten Neubauten. Die Stadt fordert eine bessere Balance in der Metropolregion, mehr öffentliche und Grünflächen, angemessene Wohnverhältnisse sowie eine stärkere Berücksichtigung von Gesundheit und sozialer Integration bei der Stadtplanung.
Auch das Gebiet Can Rigalt, angrenzend an Esplugues und Barcelona, steht im Fokus der Einwände. Dort ist der Bau des neuen Hospital Clínic sowie weiterer Wohnbauten vorgesehen. Der Bürgermeister kündigte bereits an, die Bebauungsdichte in diesem Bereich reduzieren zu wollen, um die städtische Infrastruktur nicht zu überlasten und die Lebensqualität zu verbessern.
Für deutschsprachige Bewohner und Besucher von L’Hospitalet und der Metropolregion Barcelona bedeutet diese Entwicklung, dass sich das Stadtbild in den kommenden Jahren möglicherweise weniger stark verändern wird als ursprünglich geplant. Für Auswanderer und Immobilieninteressierte signalisiert die Stadt damit eine Beschränkung des Wohnungsneubaus in einem bereits stark verdichteten Gebiet. Die angestrebte Zurückhaltung bei neuen Bauprojekten könnte sich auf die Verfügbarkeit und Preise von Wohnraum auswirken. Gleichzeitig wird der Fokus auf mehr öffentliche und grüne Flächen gelegt, was das urbane Lebensumfeld aufwerten könnte.
Letztlich zeigt der Widerstand von L’Hospitalet gegen die Verdichtungspläne der AMB, wie komplex und kontrovers die Stadtentwicklung in einer der am stärksten urbanisierten Regionen Europas ist. Die Balance zwischen Wachstum, Lebensqualität und sozialer Gerechtigkeit bleibt eine der größten Herausforderungen für die Metropolregion Barcelona.
Quelle: elperiodico.cat
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