Im Zentrum von Barcelona hat das Barcelona Supercomputing Center (BSC) das Creative Intelligence Lab (CIL) eröffnet – das erste europäische Labor, das Kunst und Supercomputing vereint. Diese neuartige Initiative zielt darauf ab, Künstler nicht nur als Illustratoren, sondern als gleichwertige Partner in der Forschung zu integrieren. Der Fokus liegt auf der Verschmelzung von kreativen Denkansätzen mit Hochleistungsrechnern und Künstlicher Intelligenz (KI).
Das CIL ist im Centro de Cultura Contemporánea de Barcelona (CCCB) angesiedelt und stellt eine bedeutende Entwicklung im Bereich der Wissenschaft, Kunst und Technologie dar. Es positioniert sich im Kontext des ACTS-Ökosystems (Art, Science, Technology and Society), das die Wechselwirkungen zwischen technowissenschaftlicher Forschung und gesellschaftlichen Anforderungen betont. Künstlerische Perspektiven sollen nicht nur die Forschung bereichern, sondern auch kritisch reflektieren, welche sozialen Auswirkungen technologische Entwicklungen haben können.
José Luis de Vicente, ein renommierter Experte im Bereich der Kunst und Technologie, wird als erster Kurator des Creative Intelligence Lab tätig. Er betont die Notwendigkeit, Künstler als Teil der Forschungscommunity zu betrachten. „Europa hat die Idee validiert, dass künstlerische Forschung mit wissenschaftlicher und technischer Forschung konvergieren kann“, sagt de Vicente. Der BSC setzt somit einen ambitionierten Schritt zur Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kunst.
Das Creative Intelligence Lab wird in drei Bereiche unterteilt: Arts, Studio und Solutions. Im Bereich Arts werden Residenzen, öffentliche Experimente und Kooperationen mit kulturellen Institutionen angeboten. Das Studio konzentriert sich auf die Entwicklung interaktiver Systeme und Visualisierungen, während Solutions die Übertragung von Forschungsergebnissen in Produkte und Dienstleistungen für Industrie und Kultur umfasst. Dieses Modell soll einen kontinuierlichen Wissenszyklus fördern, der neue Fragen und Allianzen generiert und somit die zukünftige Forschung unterstützt.
Der Start des CIL erfolgt mit drei strategischen Linien. Zu den ersten Projekten gehört das Programm EXASCALE, das ab der zweiten Hälfte von 2026 Residenzen für kreative Köpfe in Verbindung mit Hochleistungsrechnern anbietet. Zudem wird eine internationale Allianz mit Institutionen wie Sónar+D und Ars Electronica aufgebaut. Diese Initiative ist besonders bemerkenswert, da Spanien bisher eine solche institutionelle Zusammenarbeit im Bereich Kunst und Technologie fehlte.
Das BSC hebt die Zusammenarbeit mit der experimentellen Künstlerin María Arnal hervor, die als Beispiel für das Modell des Labors dient. Ihre Projekte, darunter die Installation „Maria Choir“, kombinieren menschliche Darbietungen mit KI und laden die Teilnehmer ein, die Grenzen des Gesangs zu erkunden. Die Eröffnung des Creative Intelligence Lab kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bedeutung künstlerischer Perspektiven in der technologischen Forschung in Europa zunehmend anerkannt wird.
Mit dem Supercomputer MareNostrum 5 und einer stabilen Struktur, die Kreativität als Motor der Innovation fördert, positioniert sich das BSC als zentraler Akteur in diesem neuen interdisziplinären Forschungsfeld. Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Kunst könnte nicht nur neue Erkenntnisse liefern, sondern auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz in der Gesellschaft neu definieren.
Quelle: diariodemallorca.es
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