Am 23. Mai 1981 überfielen 24 mutmaßliche Extremisten den Banco Central in Barcelona und hielten fast 300 Menschen als Geiseln. Der Überfall, der Spanien während der politischen Transition in eine tiefe Krise stürzte, wurde nun durch einen kürzlich veröffentlichten CIA-Bericht neu beleuchtet. Aus dem Dokument geht hervor, dass die amerikanischen Geheimdienste eine mögliche Verstrickung von Mitgliedern der Guardia Civil in den Überfall vermuteten. Dies wirft neue Fragen zu den damaligen Ereignissen und deren Hintergründen auf.
Laut dem Bericht, der auf Informationen von „einigen Regierungsquellen“ beruht, könnte der Überfall von einer rechtsextremen Gruppe organisiert worden sein. Die CIA stellte fest, dass die Situation in Spanien von extremistischen Kräften sowohl von links als auch von rechts geprägt war, was die Identifizierung der Täter erschwerte. Der Überfall begann um 9:14 Uhr und dauerte mehr als 36 Stunden, bevor er mit einer dramatischen Geiselfreilassung endete.
Die Geiselnahme wurde von einem Anruf begleitet, in dem die Angreifer ein Flugzeug für die Flucht ihrer Komplizen forderten, die in einen gescheiterten Putschversuch verwickelt waren. Diese Forderung verdeutlichte die Verstrickung des Überfalls in die politischen Unruhen jener Zeit. Insbesondere die Verbindung zu den Ereignissen des 23. Februar 1981, als ein Putschversuch gegen die Regierung stattfand, lässt auf eine komplexe Motivlage schließen.
Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Überfalls blieben bis heute umstritten. Der CIA-Bericht erwähnt, dass die spanische Regierung anfangs die Theorie eines rechtsextremen Übergriffs in Betracht zog. Unter den Angreifern befand sich auch ein ehemaliger Offizier, dessen Verbindungen zu den Putschisten eine mögliche politische Motivation nahelegten. Die Spannungen zwischen der Regierung und der militärischen Führung waren zu diesem Zeitpunkt extrem hoch.
Die Auswirkungen des Überfalls waren weitreichend. Mindestens elf der Angreifer wurden zu mehr als 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Der damalige Direktor der Guardia Civil bezeichnete die Gruppe als „Bande von Verbrechern und Anarchisten“. Der Vorfall führte zu einem verstärkten Misstrauen gegenüber den Sicherheitskräften und verstärkte die Forderungen nach einer Aufklärung der politischen Verstrickungen.
Heute, 45 Jahre nach dem Überfall, bleibt die vollständige Wahrheit über die Geschehnisse unklar. Der CIA-Bericht, der als „Top Secret“ eingestuft war, zeigt das Spannungsfeld zwischen den politischen Kräften in Spanien und den internationalen Reaktionen auf die Krise. Die Geiselnahme und der anschließende Überfall sind nicht nur ein Kapitel der spanischen Geschichte, sondern auch ein Spiegelbild der instabilen politischen Verhältnisse in Europa zu jener Zeit. Die neuen Erkenntnisse könnten nicht nur die historische Wahrnehmung des Vorfalls ändern, sondern auch das aktuelle Verständnis über die Rolle der Sicherheitskräfte in der Transition zu einer Demokratie beeinflussen.
Quelle: diariodemallorca.es
Zum Original