In der Provinz Barcelona leben rund 70.000 Menschen in Urbanisierungen, die entweder über ein unzureichendes oder gar kein öffentliches Abwassersystem verfügen. Eine aktuelle Studie der Diputació de Barcelona (DIBA) zeigt, dass von insgesamt 367 Urbanisierungen in der Provinz 300 mit gravierenden Defiziten bei der Abwasserentsorgung kämpfen. Dies betrifft vor allem weniger dicht besiedelte Gebiete, die zunehmend als Hauptwohnsitz genutzt werden. Die Untersuchung hebt hervor, dass 84 Prozent dieser Urbanisierungen von mangelhaften Abwassersystemen betroffen sind, was bedeutet, dass viele Anwohner auf individuelle Klärgruben angewiesen sind oder sogar Abwässer direkt in die Öffentlichkeit leiten müssen, was erhebliche Umweltgefahren mit sich bringt.
Joan Galiano, Bürgermeister von Bigues i Riells, beschreibt die Situation als alarmierend. „Ohne ein öffentliches Abwassernetz ist jeder auf seine eigene Klärgrube angewiesen. Wir haben bereits Fälle von Verunreinigungen, die zu kostspieligen Gesundheitsproblemen führten“, erklärt er. Galiano ist einer von vielen Bürgermeistern, die sich mit der Generalitat in Verhandlungen befinden, um Lösungen für dieses seit Jahrzehnten bestehende Problem zu finden. In ganz Katalonien sind insgesamt 730 Urbanisierungen betroffen, was etwa 120.000 Bürgern entspricht. Diese Situation führt zu einer Ungleichheit, da die Bewohner weiterhin Steuern zahlen, jedoch nicht die gleichen Dienstleistungen wie andere Bürger erhalten.
Die DIBA-Studie zeigt zudem, dass die fehlende Infrastruktur die Schaffung neuer Wohnräume behindert. Laut dem geltenden Planungsrecht kann ein Grundstück nicht als baubar eingestuft werden, wenn es nicht über ein konventionelles Abwassernetz verfügt. Dies hindert die Gemeinden daran, Baugenehmigungen zu erteilen. Die Bürgermeister fordern daher, die Abwassernetze unabhängig von den Urbanisierungsprojekten zu verwalten, um die Kosten zu senken. Galiano illustriert das finanzielle Dilemma anhand von Bigues i Riells: „Die Urbanisierung unserer drei betroffenen Gebiete würde etwa 20 Millionen Euro kosten, während unser Jahreshaushalt nur 12 Millionen beträgt.“
Ein weiteres ernstes Problem ist der Zugang zu Trinkwasser. Aktuell leben 5.515 Menschen in der Provinz Barcelona ohne Zugang zu einem Trinkwassernetz, und 38.885 weitere kämpfen täglich mit einem maroden System. Die DIBA-Analyse stellt fest, dass 57,5 Prozent der Urbanisierungen in der Provinz mit Wasserproblemen konfrontiert sind. Die Bürgermeisterin von Olivella, Marta Verdejo, hebt hervor, dass die Instandhaltung der Wasserinfrastruktur eine enorme finanzielle Belastung darstellt. „Wir haben in den letzten acht Jahren 5,5 Millionen Euro in die Hochwasserinfrastruktur investiert, aber die Kosten für die Niederdrucknetze sind für uns untragbar.“
Die Lage wird durch die geographische Umgebung der Urbanisierungen verschärft, die oft in waldreichen Gebieten liegen. Dies erhöht das Risiko von Waldbränden und stellt zusätzliche Anforderungen an die Wasserversorgung. Die DIBA berichtet zudem von weiteren grundlegenden Mängeln, wie unzureichenden Straßenbelägen, unzureichender Beleuchtung und defizitären Stromnetzen. 50,7 Prozent der Urbanisierungen haben schlechte Straßenverhältnisse, 32,2 Prozent keine Beleuchtung und 68,4 Prozent ein unzureichendes Stromnetz. Die DIBA schätzt, dass 55 Prozent der Urbanisierungen nicht den aktuellen städtebaulichen Vorschriften entsprechen, was die rechtlichen Herausforderungen für die Betroffenen weiter verschärft.
Die DIBA-Studie wirft ein Schlaglicht auf die dringenden infrastrukturellen Defizite in den Urbanisierungen Barcelonas und macht deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um den betroffenen Anwohnern ein sicheres und lebenswertes Umfeld zu bieten.
Quelle: elperiodico.cat
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