Im Jahr 2024 wurden in Barcelona insgesamt 921 Fahrraddiebstähle gemeldet, was einer täglichen durchschnittlichen Diebstahlrate von etwa 2,5 Fahrrädern entspricht. Diese Zahlen stammen aus einem Bericht des Fahrradclubs Katalonien (BACC) und der Forschungsgruppe City Lab des Instituts für Umweltwissenschaften und -technologien (ICTA-UAB). Trotz dieser offiziellen Zahlen sind Experten der Meinung, dass die tatsächliche Zahl der Diebstähle viel höher ist, da zwei Drittel der Vorfälle nicht angezeigt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, unter anderem eine weit verbreitete Wahrnehmung von Straflosigkeit, die viele Radfahrer davon abhält, Diebstähle zu melden.
Laut dem Bericht haben bis zu 40 Prozent der befragten Radfahrer angegeben, bereits Opfer eines Fahrraddiebstahls geworden zu sein. Die gute Nachricht: Die Zahl der offiziell gemeldeten Diebstähle ist im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gesunken. Im Jahr 2023 wurden noch 1.167 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, da die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Während der Pandemie war die Zahl der Diebstähle mit 870 auf einem historischen Tiefstand, was auf die reduzierte Nutzung von Fahrrädern zurückzuführen war.
Die meisten Diebstähle ereignen sich in den Stadtteilen Sant Martí, Eixample und Ciutat Vella, die aufgrund ihrer hohen touristischen Frequentierung besonders betroffen sind. Rund 60 Prozent der Diebstähle finden auf öffentlichen Straßen statt, während 20 Prozent in privaten oder öffentlichen Fahrradabstellanlagen und weitere 20 Prozent in Wohnungen, Büros oder Gemeinschaftsbereichen geschehen. Ein alarmierendes Ergebnis des Berichts zeigt, dass 40 Prozent der gestohlenen Fahrräder an sogenannten U-förmigen Halterungen befestigt waren, die sich als unzureichend sicher erweisen.
Die Analyse zeigt auch, dass die Diebstähle vor allem von Januar bis März zunehmen, während die Sommermonate, insbesondere von Juli bis September sowie im Dezember, weniger von Diebstählen betroffen sind. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die meisten Diebstähle zwischen 18:00 und 22:00 Uhr verzeichnet werden, wenn die öffentliche Aktivität am höchsten ist. Die Polizei weist darauf hin, dass viele der nicht gemeldeten Fälle darauf zurückzuführen sind, dass die Opfer keine Identifikationsnummer oder andere Merkmale ihres Fahrrads vorweisen können. Diese Fälle werden als „nicht markiert“ in die Datenbank aufgenommen und nicht in die Statistiken über Diebstähle einbezogen.
Für den BACC stellen diese Diebstähle ein ernsthaftes Problem dar, da sie die Nutzung von Fahrrädern als Verkehrsmittel entmutigen. Ein früherer Bericht hat gezeigt, dass 17 Prozent der Opfer sich kein neues Fahrrad mehr anschaffen. Ein zentrales Anliegen der Radfahrer ist die unzureichende Verfügbarkeit von sicheren Abstellplätzen. Derzeit gibt es in Barcelona etwa 39.000 U-förmige Abstellplätze im öffentlichen Raum, was jedoch als unzureichend erachtet wird, insbesondere in Wohngebieten, am Arbeitsplatz und an Verkehrsanbindungen. Der BACC fordert die Stadtverwaltung auf, endlich einen Plan zur Förderung des Fahrradverkehrs und zur Schaffung sicherer Abstellmöglichkeiten zu präsentieren.
Die Ergebnisse des Berichts werden in der kommenden Woche bei einem Treffen des Koordinationsraums gegen Fahrraddiebstähle vorgestellt, das Vertreter der Stadtverwaltung, der Generalitat, der städtischen Polizei und von Fahrradverbänden zusammenbringt. Zu den Prioritäten des Gremiums gehören die Verbesserung der Datensammlung, die Integration von Online-Wiederverkaufsplattformen, die Förderung sicherer Abstellplätze und die Entwicklung von GPS-Tracking-Projekten. Eine bereits laufende Initiative ist das Biciregistre, ein öffentliches Registrierungssystem für Fahrräder, das die Identifizierung und Wiederbeschaffung im Falle eines Diebstahls erleichtern soll.
Quelle: elperiodico.cat
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