Die Stadt Barcelona hat am Mittwoch ihren ersten Antirassismus-Plan vorgestellt. Die Strategie umfasst über 100 Maßnahmen, die bis zum Jahr 2036 umgesetzt werden sollen und ein Gesamtbudget von 3,47 Millionen Euro haben. Ziel ist es, gegen strukturellen und institutionellen Rassismus vorzugehen. Der Plan wurde im Rahmen des Forums „Barcelona 2026 über Rassengerechtigkeit“ im Salón de Cent präsentiert. Bürgermeister Jaume Collboni betonte, dass die Bekämpfung von Rassismus nicht nur auf symbolische Erklärungen beschränkt sein darf, sondern konkrete öffentliche Politiken und kontinuierliche Maßnahmen erfordert. Er erklärte: „Die Vielfalt der Stadt garantiert nicht automatisch Gleichheit.“
Ein zentrales Element des Plans ist die Transformation der Stadtverwaltung. Das Ziel ist es, die antirassistische Perspektive in alle kommunalen Aktivitäten zu integrieren, um die Reproduktion von Ungleichheiten zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem die Überprüfung interner Verfahren, die Einführung antirassistischer Klauseln in öffentlichen Ausschreibungen sowie die Förderung von Diversität innerhalb der städtischen Belegschaft. Zudem wird ein spezifisches Protokoll gegen rassistische Diskriminierung im Wohnungszugang entwickelt.
Ein weiteres wichtiges Instrument wird das neu gegründete Antirassistische Observatorium von Barcelona sein. Dieses unabhängige Gremium wird den Plan überwachen, Studien erstellen und die Auswirkungen öffentlicher Politiken in Bezug auf rassistische Diskriminierung evaluieren. Um ein besseres Bild der Diskriminierungssituation zu erhalten, wird die Strategie auch ethnisch-rassistische Selbstidentifikationskategorien in städtische Umfragen einführen, einschließlich spezifischer Fragen in der Gesundheitsumfrage von Barcelona.
Im Bereich Prävention und Sensibilisierung konzentriert sich der Plan stark auf Bildung und Kultur. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, Projekte wie „Prometeus“ zu verstärken, das sich auf die Unterstützung von jungen Migranten konzentriert, und antirassistische Lehrmaterialien für Schulen zu entwickeln. Darüber hinaus sieht der Plan vor, die digitale Strategie gegen rassistische Desinformation zu erweitern.
Aktuelle Daten zeigen, dass die Diskriminierung aufgrund von Rassismus in Barcelona ein anhaltendes Problem darstellt. Laut dem Observatorium für Diskriminierungen ist Rassismus seit 2018 der häufigste Diskriminierungsgrund in der Stadt. Im Jahr 2024 wurden 314 Fälle registriert, und eine Umfrage ergab, dass 30,3% der Befragten angaben, aufgrund kultureller, religiöser oder ethnischer Merkmale diskriminiert worden zu sein. Bürgermeister Collboni verortete die Notwendigkeit des Plans in einem breiteren Kontext, der durch den Anstieg xenophober Rhetorik und das Schwinden demokratischer Konsense in vielen europäischen Städten gekennzeichnet ist. Er betonte, dass Barcelona als „Raum demokratischer Widerstandskraft“ fungieren müsse. Die Vorstellung des Plans fand im Rahmen internationaler Tage über die Rolle der Städte in der Rassengerechtigkeit statt und wird von der Europäischen Koalition der Städte gegen Rassismus sowie der UNESCO unterstützt. Mit diesem Plan will Barcelona seine internationale Position im Bereich der antirassistischen Politiken stärken und einen klaren Handlungsrahmen bis 2036 festlegen.
Quelle: elperiodico.cat
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