In Katalonien wird derzeit ein innovatives Projekt getestet, das den Leerraum in Bussen für die Zustellung von Paketen nutzt. Die Initiative, die in der Region Mataró-Granollers-Sabadell umgesetzt wird, zielt darauf ab, die Herausforderungen der urbanen Logistik zu bewältigen, die durch den Anstieg des Online-Handels entstanden sind. Die Überlastung der Städte durch den Warenverkehr erfordert dringend neue Lösungen, um die Effizienz der Zustellung zu steigern und gleichzeitig die Verkehrsbelastung zu reduzieren.
Das Unternehmen Sagalés beteiligt sich an diesem Pilotprojekt, das auf der Linie e13 zwischen Mataró und Granollers verläuft. Die Idee ist, die bestehenden Busverbindungen zu nutzen, um Waren zu transportieren, ohne zusätzliche Lieferfahrzeuge auf die Straße zu bringen. „Der Bus fährt täglich seine regulären Strecken mit einem leeren Gepäckraum“, erklärt Zoï Geeraert, die operative Koordinatorin von Som Ecologística. Die Fahrer laden die Ware in den Bus und bringen sie zu sogenannten Nanohubs, kleinen Lagerflächen an den Busbahnhöfen. Von dort aus erfolgt die letzte Meile der Lieferung durch lokale Unternehmen, die die Pakete mit Fahrrädern zustellen.
Das Konzept wurde auf der Katalanischen Mobilitätskonferenz in Vilanova i la Geltrú vorgestellt, wo Vertreter aus Kommunen, der Privatwirtschaft und der Verwaltung zusammenkamen, um Lösungen für die Herausforderungen der urbanen Mobilität zu diskutieren. Neben Sagalés beteiligt sich auch das Schweizer Unternehmen OVO Logistics an dem Projekt. OVO schlägt vor, Nanohubs in verschiedenen Gemeinden einzurichten, um die Waren zu konzentrieren und eine umweltfreundliche Verteilung zu ermöglichen. Diese Initiativen werden auch in anderen Städten wie Sant Cugat und Mollet getestet, die ähnliche Ansätze verfolgen, um die Effizienz der Zustellung zu verbessern.
Die Notwendigkeit einer effektiven Logistik wird zunehmend anerkannt, da der unregulierte Anstieg des Lieferverkehrs die Städte zu überlasten droht. In kleineren Gemeinden kann die Lieferung eines Pakets zwischen 30 und 60 Prozent teurer sein, was die Diskussion um nachhaltige Lösungen weiter anheizt. Experten fordern eine individuell angepasste Herangehensweise für jede Stadt. Carme Javierre, die Direktorin für operative Abläufe bei Grup Giró, ruft die Kommunen dazu auf, mit Logistikdienstleistern zu sprechen, um Daten und Vorschläge zur Verbesserung der Situation zu erhalten.
Manuel Valdés, der Direktor der Metropoltransportbehörde (ATM), betont die Notwendigkeit eines radikalen Wandels in der urbanen Logistik. Die ATM wird bald ein neues Planungstool für die Gemeinden bereitstellen, das auf umfassenden Daten über die Aktivitäten aller Logistikunternehmen basiert. Auch Gerard Llobet, der Mobilitätsbeauftragte von Vilanova i la Geltrú, fordert eine Modernisierung der gegenwärtigen Logistikansätze, die nicht mehr den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden. Er schlägt die Schaffung nachhaltiger Stadtlogistikpläne und die Einrichtung kommunaler Mobilitätsunternehmen vor.
Quelle: elperiodico.cat
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