In Katalonien häufen sich Schießereien, die meisten davon im Zusammenhang mit dem Cannabis-Narkohandel. Die Polizei zählt mittlerweile über 90 registrierte Schüsse im Jahr 2025 – ein Anstieg von fast 35 Prozent gegenüber 2024. Auch 2026 setzt sich der Trend fort: Bis Anfang Juni wurden bereits rund 30 Schießereien verzeichnet, was mehr als einem Schuss pro Woche entspricht. Die Mehrheit dieser Vorfälle konzentriert sich auf Barcelona und das angrenzende Metropolgebiet.
Der Leiter der Generaldirektion der Kriminaluntersuchung der Mossos d’Esquadra, Kommissar Ramon Chacón, warnt vor einer zunehmenden Normalisierung des Einsatzes von Schusswaffen in der Region. Die meisten Schießereien dienen laut Chacón dazu, das Territorium zu markieren. Dabei schießen die Banden teils in die Luft oder auf Fassaden, um rivalisierende Gruppen einzuschüchtern und ihre Präsenz zu demonstrieren. Diese Machtdemonstrationen finden vor allem im Umfeld von Drogenplantagen und Narkohandel statt.
Die organisierte Kriminalität in Katalonien rüstet sich immer stärker mit Schusswaffen aus. Die Cannabis-Plantagen, die sich vor allem in Industriehallen und Gewerbelokalen befinden, sind häufig Ziel von Überfällen und Angriffen durch rivalisierende Banden. Diese bewaffneten Auseinandersetzungen führen zunehmend zu Verletzten, wie ein aktueller Fall aus Badalona zeigt: Bei einem Schusswechsel im Stadtteil Sant Roc wurde ein zehnjähriges Mädchen durch einen Querschläger verletzt. Ein weiterer Vorfall am vergangenen Wochenende in L’Hospitalet de Llobregat endete mit einem Mann, der eine Schussverletzung am Arm erlitt und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Neben den Schießereien wächst auch die Zahl der Waffendelikte. Im Jahr 2025 stiegen die Festnahmen wegen Besitzes oder Gebrauchs von Schusswaffen um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Mossos betonen, dass die Kriminellen meist keine Waffen offen tragen, sondern diese nur bei Konflikten oder kriminellen Handlungen einsetzen. Trotz der Zunahme an Pistolen und Schrotflinten gibt es keine Hinweise auf einen weit verbreiteten Handel mit Kriegswaffen wie Sturmgewehren oder Maschinenpistolen, wie sie vor einigen Jahren noch vereinzelt in der Region aufgetaucht waren.
Die Polizei hat jedoch mehrfach Waffenfunde gemacht, die aus den Balkankriegen stammen könnten. So entdeckte eine Polizeistreife an der Autobahnraststätte AP-7 bei Figueres ein Fahrzeug mit zwölf Maschinenpistolen des Typs AK-47 im Kofferraum. Der Fahrer floh vor den Beamten, konnte aber später zusammen mit einem Komplizen festgenommen werden. Solche Waffen gelten als Kriegswaffen und stellen eine erhebliche Gefahr dar, auch wenn sie zum Teil in schlechtem Zustand waren.
Die Mossos intensivieren ihre Kontrollen und Ermittlungen, um den illegalen Waffenhandel und die Gewalt im Zusammenhang mit dem Drogenhandel einzudämmen. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht darin, die bei Schießereien gefundenen Hülsen zu analysieren. So kann ermittelt werden, ob dieselben Waffen bei verschiedenen Straftaten verwendet wurden. Kommissar Chacón fordert eine internationale Zusammenarbeit bei der Erstellung einer gemeinsamen Datenbank, um die Herkunft und Verwendung illegaler Waffen besser verfolgen zu können.
Für deutschsprachige Touristen und Bewohner in Barcelona und der Metropolregion bedeutet die Zunahme der Schießereien vor allem eine erhöhte Aufmerksamkeit in bestimmten Vierteln. Besonders in Stadtteilen wie Sant Roc in Badalona oder L’Hospitalet de Llobregat sollten Besucher und Einwohner vorsichtig sein und Menschenansammlungen oder auffällige Situationen meiden. Die Polizei rät dazu, keine eigenen Ermittlungen anzustellen und bei Verdacht sofort die Behörden zu informieren.
Die Entwicklung zeigt, dass die organisierte Kriminalität in Katalonien zunehmend bewaffnet und gewalttätig agiert. Die Behörden reagieren mit verstärkten Kontrollen und kontinuierlichen Ermittlungen, um die Sicherheit in der Region zu gewährleisten. Trotzdem bleibt die Lage angespannt, da die Drogenmafia weiterhin versucht, ihre Machtbereiche mit Waffengewalt zu sichern und auszubauen.
Quelle: elperiodico.cat
Zum Original