In der Zona Franca, einem Industrie- und Wohngebiet in Barcelona, hat sich am gestrigen Abend ein tödlicher Schusswechsel ereignet. Gegen 21 Uhr wurde ein Mann in einem Innenhof der Calle Mineria erschossen. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche durch Anwesende und den schnellen Einsatz der Rettungskräfte verstarb das Opfer etwa 45 Minuten nach dem Angriff vor Ort. Die Polizei hat den Tatort weiträumig abgesperrt und ermittelt intensiv. Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar, erste nicht offizielle Hinweise deuten darauf hin, dass es sich bei dem Opfer um einen serbischen Staatsbürger handeln könnte. Die Mossos d’Esquadra, die katalanische Polizei, haben diese Information bislang nicht bestätigt.
Die Tat ereignete sich in einer belebten Straße, in der zu jener Zeit noch Tageslicht herrschte. Mehrere Anwohner wurden durch die Schüsse alarmiert und beobachteten die dramatischen Szenen von ihren Fenstern aus. Einige filmten den Vorfall mit ihren Mobiltelefonen, während andere versuchten, dem Verletzten zu helfen. Die Täterin oder der Täter feuerte offenbar das gesamte Magazin einer automatischen Pistole ab, wie Zeugen berichteten.
Dieser Vorfall folgt nur wenige Tage nach einer Demonstration von rund 500 Anwohnern der Zona Franca, die mehr Sicherheit in ihrem Viertel forderten. Die Gegend ist in den letzten Monaten wiederholt Schauplatz von Gewalttaten geworden. Bereits am 16. Mai wurde in der gleichen Straße ein Mann erschossen. Die Polizei schließt jedoch einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden aus.
Die Zunahme von Schusswaffengewalt in Barcelona und der gesamten Region Katalonien sorgt zunehmend für Besorgnis. Im Jahr 2023 registrierten die Mossos d’Esquadra insgesamt 93 Fälle mit Schusswaffen. Experten und Polizeikreise führen diese Entwicklung vor allem auf den florierenden Drogenhandel zurück. Insbesondere der verstärkte Anbau von Marihuana in der Region wird als Ursache für die wachsende Verfügbarkeit von Schusswaffen genannt.
Die jüngsten Morde folgen einem Muster: Schießereien finden häufig offen auf der Straße statt, bei Tageslicht und in Anwesenheit von Passanten. Ein Beispiel dafür ist ein Fall vom 14. April, bei dem ein serbischer Mann in Diagonal Mar vor den Augen seiner Familie erschossen wurde. Dieser Mord wird im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen serbischen Banden im organisierten Verbrechen gesehen.
Für deutschsprachige Bewohner, Urlauber und Auswanderer in Barcelona bedeutet diese Entwicklung eine erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich der Sicherheit in bestimmten Stadtvierteln. Die Zona Franca liegt verkehrstechnisch günstig nahe dem Hafen und ist für viele Expats und Berufspendler relevant. Trotz der Sicherheitsmaßnahmen der Polizei, die insbesondere zu Großereignissen wie dem kürzlichen Besuch von Papst Leo XIV. verstärkt präsent ist, bleibt die Lage angespannt.
Die Behörden arbeiten intensiv daran, die Hintergründe der Tat aufzuklären und die Täter zu fassen. Die Polizei bittet Zeugen, die zum Tatzeitpunkt in der Calle Mineria oder der näheren Umgebung waren, sich zu melden. Bis dahin empfiehlt es sich, die betroffenen Viertel mit Vorsicht zu betreten und insbesondere abends wachsam zu sein. Der Vorfall verdeutlicht erneut die Herausforderungen, mit denen Barcelona bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität und Waffengewalt konfrontiert ist.
Quelle: lavanguardia.com
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